München. Wichtige Trends ändern sich
nicht von heute auf morgen. So beobachtet man in der Montage- und
Handhabungstechnik seit langem, dass immer mehr Unternehmen nach modularen
Systemen suchen, die eine optimale Schnittmenge von Flexibilität und Wirtschaftlichkeit
erreichen. Aus intensiver Entwicklungsarbeit entstehen Jahr für Jahr
Fortschritte, die sich im praktischen Einsatz positiv bemerkbar machen. Neueste
Lösungen werden auf der internationalen Leitmesse für Automation und
Mechatronik, der AUTOMATICA 2010, vorgestellt, die vom 8. bis 11. Juni 2010 auf
dem Gelände der Messe München stattfindet.
Flexible
Systeme sowohl im Montage- als auch im Prüfstandsbereich sind dort
unverzichtbar, wo produzierende Unternehmen wirtschaftlich und schnell auf
Stückzahlschwankungen, Änderungen im Automatisierungsgrad, Variantenentwicklung
und Produktionsverlagerungen reagieren müssen. Auch wenn die Anlagen in kurzer
Zeit funktionsfähig zur Verfügung stehen sollen, kommen die Vorteile flexibler
Anlagen voll zum Tragen. Montageexperte Franz Plaßwich, Geschäftsbereichsleiter
und Prokurist für die Firmensparte Automotive bei der teamtechnik GmbH, weist
außerdem auf den Kostenaspekt hin: „In der aktuellen Wirtschaftslage verstärkt
sich der Trend, bestehende Anlagen umzurüsten, anstatt in Neuanschaffungen zu
investieren. Das ist mit modularen Montagesystemen verhältnismäßig einfach und
kostengünstig zu realisieren.“
Doch
Flexibilität hat viele Gesichter. Sie bezieht sich nicht nur auf den
Montageprozess selbst. Jean-François Bauer, Leiter Marketing und
Geschäftsentwicklung bei Mikron Assembly Technology im schweizerischen Boudry
ergänzt einen weiteren technischen Aspekt: „Nicht selten entscheidet die
Flexibilität der Zuführtechnik über die Gesamtflexibilität einer Anlage, zum
Beispiel wenn es um Variantenvielfalt geht. Auch die geforderte Montagegeschwindigkeit
spielt eine Rolle hinsichtlich Flexibilität. Denn es ist ein großer Unterschied,
ob 20 oder 60 Zyklen pro Minute erreicht werden müssen. Dazu kommt noch die
Komplexität des Montageprozesses. Diese Faktoren setzen der erreichbaren
Flexibilität Grenzen.“ Wie sich ein komplexer Montageprozesses auf die
erreichbare Flexibilität einer Anlage auswirkt, wird am Beispiel eines Zünders
für Airbag-Gasgeneratoren deutlich. Da hierbei ein Draht mit einem Durchmesser
von 0,02 mm verarbeitet werden muss, kommt es unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten mehr auf die sicher wiederholbare Genauigkeit an als auf
Flexibilität.
Flexibilität
hat vielerlei VorteileFlexible
Montageanlagen bieten zahlreiche Möglichkeiten. Sie lassen beispielsweise zu,
den Invest sukzessive zu erhöhen. Das heißt, zum Produktionsstart setzen die
Anwender zunächst auf eine minimale Anlagenkonfiguration. Bei steigenden
Stückzahlen und Typenvarianz lässt sich diese Anlage dann erweitern und auf die
neuen Produktionsvorgaben anpassen. Ein weiterer Vorteil ist die kürzere
Lieferzeit, die durch ein Zusammensetzen von vorhandenen Bausteinen möglich
wird. Denn die einzelnen Module oder Prozesse können parallel realisiert und
erst am Ende mit der Plattform verheiratet werden.
Flexibilität
ist auch bei der Entwicklung der Montagelinie gefragt. Denn um die Zeit bis zur
Markteinführung ihrer Produkte möglichst kurz zu halten, konzipieren viele
Unternehmen schon während der Entwicklungsphase die dazu passende Produktions-
und Montageanlage. So stehen dem Anlagelieferanten während der Angebotslegung oft
nur Planungsskizzen über das Produktionsumfeld einer Anlage oder über das
Produkt zur Verfügung, die noch viele unsichere Variablen enthalten. Während
der Projektrealisierung häufen sich dann Änderungswünsche. Zusätzliche Prozessschritte
müssen eingebaut oder die Reihenfolge der Prozesse verändert werden. Das lässt sich
mit einem Baukastensystem einfacher lösen als mit einer durchgängig verketteten
Anlage – vor allem, wenn dazu ein flexibles Projektmanagement mit Möglichkeiten
zum Simultaneous Engineering zur Verfügung steht.
Schließlich
müssen einmal standardisierte Module nicht mehr für jeden Auftrag neu
entwickelt werden. Erprobt und im kontinuierlichen Verbesserungsprozess
befindlich steigert ihr Einsatz die Prozesssicherheit und dadurch die maximale
Anlagenverfügbarkeit. Die geringeren Kosten für eine auf diese Weise zusammen
gesetzte Anlage ergänzen den Reigen der Vorteile. Kein Wunder also, dass viele
Maschinenbauer diese Art der Anlagenkonstruktion anstreben.
Manche
Montageaufgaben erfordern besondere LösungenGleichzeitig
ist zu beobachten, dass gerade Montageaufgaben dem Konstrukteur sehr oft eine
ganz besondere Lösung abverlangen, für die er in völlig neuen Dimensionen
denken muss. „Viele unserer Mitgliedsfirmen verstehen sich deshalb immer noch bewusst
als Sondermaschinenbauer und haben die Losgröße 1 für ihre Anlagen als
unvermeidlich akzeptiert“, berichtet Daniela Dietz, im VDMA-Fachverband
Robotik+Automation für die Montage- und Handhabungstechnik zuständig. Während Standardmodule
so manchen Sonderwunsch ausschließen, kann sich der Anwender bei einem solchen
Sondermaschinenbauer richtig gehend austoben. Hier ist es wichtig, dass mit den
Nachforderungen von beiden Seiten fair umgegangen wird. Der Maschinenlieferant
hat zum Beispiel die Möglichkeit, im Vertrag einen klar definierten Spielraum
vorzugeben, innerhalb dessen Änderungswünsche im Anlagenpreis enthalten sind.
Steht die Anlage schon halb fertig in der Halle und der Kunde kommt mit neuen
Informationen, die größere Anpassungen notwendig machen, sollte der
Maschinenbauer gleich ein Angebot für die Änderungen formulieren. Zusatzkosten
und neues Lieferdatum müssen darin enthalten sein – der Kunde gibt mit seiner
Unterschrift sein Einverständnis.
Praxisbeispiel
aus der AutomobilindustrieDieses
Prozedere erspart sich – zumindest zum großen Teil – wer auf modulare Bauweise
setzt.
Das Beispiel
der „Teamos“-Anlage von teamtechnik zur Montage und Prüfung von Elektromotorkomponenten
verdeutlicht den möglichen Werdegang eines modularen Systems: Auf dem System
wurden ursprünglich drei Varianten produziert - ein Produkt aus dem
Automotive-Bereich und zwei Produkte für die Industrietechnik. Zu Beginn wurde
ein Leitrechner installiert, der die Logistik für die drei Varianten
koordinierte. Nachdem im Rahmen einer Produktüberarbeitung weitere Komponenten
für Standardmotoren auf die Anlage genommen wurden, gelangte sie über eine
mehrschichtige Nutzung in die Vollauslastung. Später änderte sich die
Marktsituation und die geplanten Stückzahlen für das Automotive-Produkt gingen
zurück. Jetzt nahm der Kunde zur Auslastung zusätzliche Produkte aus der
Industrietechnik auf die Anlage. Hierfür wurden im Leitrechner die Varianten
angelegt und die notwendigen Wechselteile koordiniert. Zu einem späteren
Zeitpunkt stiegen die Stückzahlen wieder und neue Aufträge aus dem
Automobilsektor kamen hinzu. Daher wurde der Automatisierungsgrad erhöht, die
Anlage entsprechend mit Grundbausteinen erweitert und in neuer Prozessfolge
aufgebaut. Heute werden auf ihr über 14 Grundtypen mit jeweils mindestens zehn
Untervarianten produziert. „Die Flexibilität, auf veränderte Marktanforderungen
mit Erweiterungen und geänderten Prozessfolgen reagieren zu können, war
wirtschaftlich nur mit einem prozessmodularen System erreichbar“, urteilt Franz
Plaßwich.
Er gesteht jedoch ein, dass nicht jede Montage- und Prüfaufgabe
hohe Flexibilität benötigt. „Es wäre kontraproduktiv, ein modulares System für
Anwendungen zu verbiegen, die wirtschaftlicher in konventioneller Bauweise
gelöst werden können. Wir bieten deshalb auch weiterhin konventionelle Systeme
an, um für jeden Einsatzfall die passende Lösung im Programm zu haben.“
Jean-François Bauer stimmt zu, dass es auf die Flexibilität nicht alleine ankommt:
„Es gilt alle Aspekte zu berücksichtigen und das ideale Verhältnis zwischen Flexibilität
und Produktivität herzustellen. Schließlich benötigen die Anwender vor allem eine
Lösung, die sie wettbewerbsfähig macht.“
AUTOMATICA
– Plattform führender Anlagen-SpezialistenAuf der AUTOMATICA 2010 erwartet die Besucher als Highlight die
zur Zeit wohl größte Konzentration von Anbietern schlüsselfertiger
Montageanlagen in Europa. Die Mehrzahl der Montageanlagen-Anbieter aus
Deutschland und der Schweiz sowie etliche
namhafte Anbieter aus dem europäischen Ausland werden ihre Produkte
präsentieren. Mit dieser Präsenz der führenden Anlagen-Anbieter aus
Deutschland, der Schweiz und
Österreich erreicht die AUTOMATICA einen Spitzenplatz in Europa.
Auf der AUTOMATICA 2010 erwartet die Besucher als Highlight die
zur Zeit wohl größte Konzentration von Anbietern schlüsselfertiger
Montageanlagen in Europa. Die Mehrzahl der Montageanlagen-Anbieter aus
Deutschland und der Schweiz sowie etliche
namhafte Anbieter aus dem europäischen Ausland werden ihre Produkte
präsentieren. Mit dieser Präsenz der führenden Anlagen-Anbieter aus
Deutschland, der Schweiz und
Österreich erreicht die AUTOMATICA einen Spitzenplatz in Europa.
Baukasten-Spezialisten und Sondermaschinenbauer werden sich auf
der Fachmesse vereint präsentieren. „Die Montage- und Handhabungstechnik ist
der Teil der Automatisierung, bei dem alle Fäden zusammenlaufen“, erläutert
Daniela Dietz diesen Zusammenhang. Hier werden die Roboter und die
Bildverarbeitungssysteme eingebaut, die sich ebenfalls in München mit ihren Innovationen
präsentieren werden. Dieser inhaltliche Zusammenhang wird auch im Aufbau der
Messe widergespiegelt: Die Hallen sind bewusst nicht hintereinander in einer
Reihe belegt, sondern nebeneinander. Diese Anordnung erlaubt dem Besucher, in
einem Kreis laufend die Elemente der Automatisierungstechnik zu erleben.
Über
die AUTOMATICA
Internationale Fachmesse für Automation und Mechatronik
Die
AUTOMATICA ist die internationale Fachmesse, die alle Segmente des Bereiches
Robotik + Automation unter einem Dach vereint. Sie findet seit 2004 im
zweijährigen Rhythmus auf dem Gelände der Neuen Messe München statt. Fokus der
Messe ist, die komplette Wertschöpfungskette darzustellen. Hinter dem
industriegetriebenen Konzept der AUTOMATICA stehen die Messe München GmbH und
VDMA Robotik + Automation, ideell-fachlicher Träger der Messe. Die Aussteller-
und Besucherzahlen der AUTOMATICA sind von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer
im Auftrag der Gesellschaft zur Freiwilligen Kontrolle von Messe- und
Ausstellungszahlen (FKM) geprüft und international durch UFI (Global
Association of the Exhibition Industry) zertifiziert.
Über die Messe München International (MMI)
Die
Messe München International (MMI) ist mit rund 40 Fachmessen für
Investitionsgüter, Konsumgüter und Neue Technologien einer der weltweit
führenden Messeveranstalter. Über 30.000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern
und mehr als zwei Millionen Besucher aus über 200 Ländern nehmen jährlich an
den Veranstaltungen in München teil. Darüber hinaus veranstaltet die MMI
Fachmessen in Asien, in Russland, im Mittleren Osten und in Südamerika. Mit
sechs Auslandsbeteiligungsgesellschaften in Europa und Asien sowie 64
Auslandsvertretungen, die mehr als 90 messerelevante Länder der Welt betreuen,
verfügt die MMI über ein weltweites Netzwerk. Als global tätiges Unternehmen
leistet die Messe München International bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit
einen wesentlichen Beitrag.
Weitere Informationen unter
www.messe-muenchen.deAnsprechpartner
für die Presse:
AUTOMATICAClaudia
Huber - Pressereferentin
Tel.
(+49 89) 949 - 20862
Fax
(+49 89) 949 - 20869
Email:
claudia.huber@messe-muenchen.deVDMA Robotik + AutomationDaniela
Dietz, Montage- und Handhabungstechnik
Tel.
(+49 69) 6603 - 1530
Fax (+49 69) 6603 - 2530
Email:
daniela.dietz@vdma.org www.vdma.org/assembly
Flexible
Montagesysteme tragen dazu bei, dass produzierende Unternehmen zahlreiche
Herausforderungen hinsichtlich schwankenden Stückzahlen, Variantenentwicklung und
Produktionsverlagerungen wirtschaftlich meistern können. Bild: teamtechnik

Durch
modularen Aufbau lassen sich auf einfache Weise Prozesse austauschen und
erweitern.
Bild:
teamtechnik

Seit
über 15 Jahren konzentriert sich Mikron auf den Bau von
Hochgeschwindigkeits-Montageanlagen mit standardisierten Modulen. Bei der
aktuellen G05-Plattform lassen sich einzelne Module einfach austauschen oder
erweitern.
Bild:
Mikron

Ein
typisches Modul einer Mikron-Montageanlage ist eine Station zum Drahtschweißen.
Bild:
Mikron

Bei
Montage- und Prüfanlagen zählt nicht nur die Technik, auch der Service spielt
eine bedeutende Rolle.
Bild:
teamtechnik

Je
höher das Produktionsvolumen ist, desto interessanter wird die automatisierte
Montage – auch bei höheren Investitionskosten.
Bild:
Mikron